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Geschichte

Vereinsgeschichte der Bogenschützen Gronau


Wenn man bedenkt, dass Bogenschießen im westlichen Münsterland in den achtziger Jahren eine völlig unbekannte Sportart war und die Bogenschützen Gronau jetzt in der Gronauer Vereinslandschaft mit ca. 80 Mitgliedern fest etabliert sind, kann man erahnen, wie viel Idealismus und ehrenamtliches Engagement die Vereinsmitglieder von den ersten Anfängen bis heute aufgebracht haben. Die nicht vermeidbaren und manchmal auch entmutigenden Rückschläge wurden immer wieder durch glückliche Zufälle aufgefangen oder auch durch die wohlwollende Förderung Dritter, insbesondere von Paul Elsbernd vom Stadtsportamt. Seine Tipps und sein außergewöhnliches Engagement machen ihn zum eigentlichen Geburtshelfer der Bogenschützen Gronau.
Eine weitere entscheidende Hilfestellung erfolgte durch die Bogenschützen Münster, die in den Anfängen als eine Art Mutterverein fungierten. Der Bogensport ist von der technischen Seite her so anspruchsvoll, dass man ihn als Autodidakt mit Büchern und DVDs nicht erlernen kann. Es ist eine Lehrzeit bei einem bereits existierenden Verein notwendig, in der man von erfahrenen Bogenschützen angeleitet, kontrolliert und verbessert wird. Auch das Sportgerät bedarf der ständigen Reparatur. Das Wickeln und die Reparatur einer Sehne, die Auswahl des passenden Schaftes aus einer Tabelle mit hunderten von Möglichkeiten, das Geraderichten von Aluminiumpfeilen, das Befiedern und das Tuning der Pfeile sind für den Anfänger nur unter Anleitung möglich.
Ein Eperaner, Rainer Bauer, und ein Gronauer, Herold Larkens, die beide ausbildungsbedingt mehrere Jahre in Münster gelebt hatten und dort auch Mitglieder bei den Bogenschützen Münster waren, hatten diese Lehrzeit absolviert. Beide hatten sich nach der gemeinsamen Zeit aus den Augen verloren, weil der Eperaner, im Gegensatz zum Gronauer, beruflich bedingt den Münsteraner Verein verlassen hatte. Die Freude und Überraschung war natürlich groß, als man sich zufälligerweise auf einem Parkplatz in Epe wiedertraf. Da beide nach einem längeren Gespräch zu dem Entschluss kamen, den geliebten Bogensport auch nach Gronau zu bringen, kann man diese Begegnung als die eigentliche Stunde null in der Vereinsgeschichte der Bogenschützen Gronau bezeichnen. Adressen und Telefonnummern wurden ausgetauscht, und da zwei Personen für eine Vereinsgründung nicht ausreichten, war es das nächste Ziel, die gesetzlich verlangten sieben Gründungsmitglieder zusammen zu bringen. Fündig wurde man zuerst im Verwandten- und Bekanntenkreis von Rainer Bauer, der auch Mitglied in einem Computerclub war. Schnell war man zu fünft. Da man kein eigenes Gelände hatte, und natürlich auch keine Hallenzeiten, trainierte man am Wochenende als zahlende Gäste auf den Sportanlagen der Bogenschützen in Münster, Lingen und Dorsten. Um einen Sportpass zu erhalten, war es für die kleine Schießgemeinschaft unumgänglich, Mitglied in einem etablierten Verein zu werden. Man wählte die Bogenschützen Münster, die ein großes Bogensportgelände in Münster-Gelmer haben.
Eine erste deutliche Verbesserung der Situation trat ein, als zwei Söhne des Dachdeckermeisters Heinrich Alfert zu der Schützengemeinschaft stießen. Heinrich Alfert hatte im Industriegebiet in Heek eine 35 Meter lange Lagerhalle, die er kostenlos als Trainingsstätte zu Verfügung stellte. Endlich hatte man während der langen Winterzeit eine feste Trainingsmöglichkeit. Weit schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem Außengelände. Die Landwirte wollten nichts verpachten, da sie durch die mit dem Trainingsbetrieb verbundenen Unruhe Ärger mit den Jagdpächtern befürchteten. Es blieb der Schützengemeinschaft also nichts anderes übrig, als eine Scheibe in den Kofferraum zu legen, sich ein passendes Brachgelände oder Waldstück auszusuchen, mit einem Maßband 50 Meter auszumessen, die Scheibe aufzustellen und zu trainieren. Da der Bogen keine Schusswaffe in Sinne des Waffengesetzes ist, war dieses Verhalten zwar nicht illegal, aber es wurde nicht gerne gesehen.
Eine erfreuliche Ausnahme bildete ein Landwirt, der uns in einer Sandgrube in Lasterfeld duldete. Sie wurde längere Zeit als Trainingsstätte genutzt. Ebenso entstand eine provisorische 60-Meter Schießbahn auf der Rückseite des Kalvarienberges in Heek. Der Versuch, die Bauschuttdeponie in Heek als festes Gelände zu pachten, scheiterte am entschiedenen Widerstand des Jagdpächters.
Da man trotz aller Widrigkeiten nicht aufgab, und die Zahl der Mitglieder ständig wuchs, hatte man 1985 endlich die vom Gesetzgeber verlangte Mindestmitgliederzahl erreicht. Die sieben Gründungsmitglieder hatten sich zusammengefunden, man übernahm die Satzung der Bogenschützen Münster und konnte beim Notar den Antrag auf Eintragung in das Gronauer Vereinsregister stellen.
Paul Elsbernd vom Stadtsportamt freute sich über die neue Sportart in seiner Stadt. Der Verein bekam eine Hallenzeit an der Gasstraße in Epe. Das dafür erforderliche Pfeilfangnetz, das damals die für den Verein utopische und völlig unerschwingliche Summe von 900 DM kostete, wurde uns leihweise ohne Kosten drei Jahre lang von den Bogenschützen Münster zu Verfügung gestellt. Danach konnte man sich erst ein eigenes Netz leisten.
Als Außengelände durfte der junge Verein eine städtische Wiese zwischen Fußballplatz und Bahngleis am Wolbertshof nutzen. Die Freude an dem schönen Gelände und den ersten festaufgestellten Scheiben währte nur drei Tage. Danach hatten Randalierer alles zerstört. Die Scheiben mussten wieder wie früher für jedes Training mit den Autos transportiert und auf das Gelände geschleppt werden. Aber man hatte aber immerhin einen festen Platz, von dem man nicht mehr weggeschickt werden konnte.
Um den Verein vor zukünftigem Wandalismus besser zu schützen, stellte uns Paul Elsbernd eine dreieckige Rasenfläche am Rand des Sportzentrums an der Laubstiege zur Verfügung. Die Anlage hatte ein abschließbares hohes Tor. Das Vereinsmaterial konnte in einer großen Garage sicher gelagert werden. Unter der Mithilfe aller Vereinsmitglieder, es waren mittlerweile 15, entstand eine olympische Anlage mit 6 festen Bahnen von 15 bis 90 Meter. Wegen des hohen Zaunes, der das gesamte Sportgelände umgab, wurden die Scheiben nicht mehr zerstört. Die Lage des Platzes erwies sich auch als sehr vorteilhaft, was die Öffentlichkeitsarbeit betraf. Jeder Besucher des Hallenbades sah die bunten olympischen Scheiben, und der Verein wurde bekannt. Der einzige Nachteil des Platzes war die unmittelbare Nähe zum Spielfeld des Fußballvereins. Aus Sicherheitsgründen musste das Training ausfallen, wenn bei Fußballturnieren Zuschauer auf der kleinen Tribüne Platz nahmen. Dies war jedoch nicht häufig der Fall. Am Sonntagmorgen stand das Schießgelände immer zur Verfügung. Die Mitgliederzahl stieg weiterhin kontinuierlich an, man hatte bereits 30 erreicht.
Da der Verein jetzt die finanziellen und personellen Möglichkeiten hatte, kam die Idee auf, nicht mehr nur als Gast zu den Turnieren der benachbarten Vereine zu fahren, sondern auch selbst als Veranstalter ein Jagd- und Feldturnier auszurichten. Da das Vereinsgelände an der Laubstiege dafür zu klein war, ebnete uns Paul Elsbernd den Weg für die Nutzung des stadteigenen Waldes von Gut Schwarzbach. Auf einem 2,5 Kilometer langen Parcours wurde 1990 ein Feldturnier durchgeführt. Eine Landesmeisterschaft des Westfälischen Schützenbundes folgte 1992 und drei Tierbildturniere mit zwei Runden auf 20 zum Teil plastische Tierbilder folgten in den Jahren 1993,1994 und 1995. Die erfolgreiche Serie musste abgebrochen werden, da die immer höher werdende Zahl der Turniergäste, der geparkten Autos und der damit verbundenen gesteigerten allgemeinen Unruhe den Jagdpächter verärgerten und er sich erfolgreich gegen weitere Turniere durchsetzen konnte.
Das Jahr 1996 brachte aber auch eine positive Veränderung für den Verein. Da das Sportzentrum an der Laubstiege umgebaut und erweitert wurde, musste der Verein an den Harberskamp auf sein jetziges Gelände umziehen. Dort hatte man endlich die Gelegenheit, einen Feldparcours mit wechselnden Entfernungen von 5m bis 60m nach den Regeln des Deutschen Schützenbundes (DSB) und des Deutschen Bogenschützenverbandes (DBSV) aufzubauen. Ein ausgeklügeltes System von Pfeilfängen hinter den Scheiben und von Wällen, die die Schießbahnen umgeben, garantiert die Sicherheit. In Eigenarbeit wurde eine Hütte gebaut, damit man vor Regen geschützt war und eine Unterstellmöglichkeit für die Scheiben hatte.
Die guten Trainingsmöglichkeiten wirkten sich auch auf die sportlichen Leistungen aus. Häufig belegten Gronauer Bogenschützen vordere Plätze auf den Turnieren der benachbarten Vereine und waren auch auf Meisterschaften sehr erfolgreich, insbesondere konnte mehrfach der deutsche Meistertitel beim Deutschen Bogenschützenverband errungen werden. So lag es nahe, im Rahmen der Landesgartenschau 2003 die deutsche Meisterschaft für den Deutschen Bogenschützenverband auszurichten. Eine gewaltige Aufgabe für einen kleinen Verein, denn neben den vielen oft zeitaufwändigen Organisationsaufgaben, die den Vorstand schon Monate vorher mit Arbeit eindeckten, musste ein 24-Scheiben-Parcours im stadteigenen Wald bei Gut Schwarzbach aufgestellt und auch wieder abgeräumt werden.
Das Unternehmen wurde ein großer Erfolg, weil alle Vereinsmitglieder bei den wochenlangen Vorbereitungen aktiv mithalfen und sich einige sogar dafür Urlaub genommen hatten. Der kleine Verein Bogenschützen Gronau reihte sich damit ein in die Gruppe der großen süddeutschen Bogensportvereine, die üblicherweise die Ausrichter für Großveranstaltungen wie die Deutsche Meiserschaften sind.
Die Jahre nach der Deutschen Meisterschaft nutzte der Verein, um das Gelände am Harberskamp weiter zu verbessern. Die Hütte, die 2004 an das Stromnetz angeschlossen wurde, erhielt ein großes Vordach, um auch bei Regen trainieren zu können. Bänke und ein langer Tisch bieten Ablagemöglichkeiten und fördern das Vereinsleben. Im Winterhalbjahr wird das Trainingsangebot auf dem Bogensportgelände durch Hallenzeiten in der Overbergturnhalle in Epe ergänzt. Die Mitgliederzahl hat einen ständigen Trend nach oben. Besonders erfreulich ist, dass der Verein auch eine Magnetwirkung auf die Nachbarorte von Gronau hat. Die Vereinsmitglieder kommen auch aus Heek, Nienborg, Ahaus, Rosendahl, Ochtrup, Bad Bentheim und  Enschede. So kann der schöne Bogensport, der einst aus Münster in die Dinkelstadt kam, von Gronau aus weiter verbreitet werden.
Mix

LM Feld/Wald des BVNW mehr...